Vier Entwürfe für die Kugel

Die Gedanken sind frei – und studentische Entwürfe sowieso. Das zeigt eine sehr sehenswerte kleine Ausstellung mit dem Titel Dark Side of the Moon, die gemeinsam mit Prof. Harald Roser von der Hochschule für Technik (HfT) in Stuttgart konzipiert wurde und ab dem 3. August im Stadtteiltreff Betzenhausen-Bischofslinde zu sehen ist. Vier Architekturstudenten haben sich in den vergangenen Monaten überlegt, wie man die stillgelegte Freiburger Gaskugel als Planetarium und Ausstellungshaus umnutzen und baulich erweitern könnte. Das war das Thema ihrer Masterarbeit, mit der sie ihr fünfjähriges Architekturstudium abschließen.


Um Missverständnissen vorzubeugen: Ziel war nicht, eine Architektur für eine sanfte Nutzung des Industriedenkmals zu entwerfen, wie sie der Bürgerverein entwickelt hat. Schon aus didaktischen Gründen heraus hat Prof. Harald Roser die Aufgabe beträchtlich erweitert: Ein Planetarium mit 200 Sitzplätzen und einer Sternwarte sollte geplant werden, ein Café, ein Bürotrakt sowie Seminar-, Technik- und Lagerräume, außerdem ein ausgedehnter Ausstellungsraum mit einer Fläche von 1.000 m2. Es ist eine Aufgabenstellung, die es in sich hat und die zu vier unterschiedlichen Lösungen führte. Was allen gemeinsam ist: Alle vier Entwürfe lassen die Außenhaut des imposanten Industriedenkmals weitgehend unangetastet, wollen einen Eindruck von der Dimension des Kugelbauches vermitteln und beziehen den umgebenden Park mit ein.


Julian Kessler setzt neben die Gaskugel ein Gewölbe, das flach aus dem Boden ragt, als wäre dort eine zweite, viel größere Kugel vergraben. Markus Kienzler legt drei ineinander greifende ringförmige Anbauten um den Fuß der Kugel, mit markanten Fassaden aus Stahl- und Glasbändern, die sich leicht schräg der Erde zuneigen. Lukas Tritschler hat ein zylindrisches Außenskelett konstruiert, an dem sich Treppen um die Kugel herum nach oben schrauben und schließlich zu einem über der Kugel „schwebenden“ Panorama-Ring führen. Ronny Alber hat der Gaskugel einen vertikalen und einen horizontalen Baukörper zur Seite gestellt. Der schornsteinartig aufragende Aufzugsturm, der von einer Sternwarte bekrönt wird, betont den industriellen Charakter des Bauwerks.


Der Architekturprofessor Harald Roser lebt schon über 40 Jahre in Freiburg. „Ich kenne und schätze die an der Dreisam und dem Zubringer Mitte liegende markante Gaskugel und sehe im Erhalt ein riesiges Potential für die Stadt.“ Er hofft, eines Tages selbst den einmaligen Raum in der Kugel erleben zu dürfen. Wir auch!

Dark Side of the Moon. Vier Entwürfe für die Kugel Master-Thesis-Ausstellung der HfT Hochschule für Technik, Stuttgart | Kurator: Prof. Harald Roser Eine Kooperation des AK Gaskugel (Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V., Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V., Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild e.V.) mit der HfT Stuttgart, Projektleitung: Dr. Heike Piehler. Ausstellung 03.08. - 15.10.2020 geöffnet Mo. 10 - 13 Uhr, Di. 14 - 18 Uhr, Do. 9 - 12 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 0761 / 89758315 (geschlossen 24.08. - 31.08. und 07.09.2020) Stadtteiltreff Betzenhausen-Bischofslinde, Am Bischofskreuz 4, 79114 Freiburg | Eintritt frei.

Bild: Julian Kessler (Schnitt), HfT Stuttgart


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